Bayern: Wut über die Grundsteuer
Die Gazetten überschlagen sich! Rund 79% der Immobilienbesitzer zahlen nun mehr als früher. Viele deutlich mehr. Im Schnitt erhöhte sich die Belastung um 40%.
Das zeigt nun neue deutschlandweite Studie des Eigentümerverbandes Haus & Grund.
Auf X werden Steuerbescheide veröffentlicht, wonach sich bei manchen die Grundsteuer um 700% erhöht haben soll.
Noch 2019 versprach Olaf Scholz, damals Finanzminister, dass die „neue Grundsteuer“ aufkommensneutral geraten soll. Der Staat sollte nach der Reform der Grundsteuer insgesamt also nicht mehr einnehmen als vorher.
Nichts davon wurde eingehalten. Ob dahinter eine Absicht zur Abzocke steckt oder schlicht Unfähigkeit ein recht simples Konzept wie die Grundsteuer zu reformieren, darüber spekulieren wir nicht, tendieren allerdings zum Zweiten.
Lt. Statistischem Bundesamt betrugen die Einnahmen aus Grundsteuer im ersten Halbjahr 2024 bundesweit ca. 8 Mrd. Euro. Auf das gesamte Jahr umgerechnet, würden sich hier, alleine aus der Grundsteuer, Einnahmen für die Gemeinden von ca. 16 Mrd. Euro für das Jahr 2024 ergeben haben. Diese Zahl ist im Moment rein spekulativ. Belastbare Zahlen zu den Mehreinnahmen aus der Grundsteuer werden wohl erst ca. Mitte 2026 vorliegen. Wenn, lt. Studie des Eigentümerverbandes Haus & Grund nun 79% der Zahler ca. 40% mehr zahlen sollen, ergeben sich hieraus allerdings rechnerisch Mehreinnahmen für das Jahr 2025 von satten 1,6 Mrd. Euro. Nur 21% zahlen weniger, und das nur marginal.
Die von uns nun ganz grob berechnete Zahl von 1,6 Mrd. Euro Mehreinnahmen scheint zunächst nicht so erheblich. Das liegt aber einzig und alleine daran, dass wir uns an diese irrwitzigen Zahlen aus der Politik gewohnt zu haben scheinen. Deshalb schreiben wir diese Zahl hier nun aus: 1.600.000.000 Euro.
Wie ist es aber nun in Bayern? Zahlen wir mehr, zahlen wir insgesamt weniger?
Im Moment scheinen keine belastbaren Zahlen aus Bayern zu existieren. Doch spricht man mit Immobilienbesitzern, ist oft Frust oder gar offene Wut zu hören. Um hier, zumindest für unsere Region, einen Trend auszumachen, werden wir nun an mehrere Gemeinden und Städte eine presserechtliche Anfrage richten. Da wir keine schnellen Antworten erwarten, werden wir wahrscheinlich erst in einigen Wochen hier erneut berichten können.
Bis dahin können Sie an der Umfrage teilnehmen. Wir bitten nur Immobilienbesitzer aus Bayern abzustimmen.
Eine sehr aussagefähige Umfrage findet man bereits auf WISO Steuer hier.
Demnach stieg in Bayern die Grundsteuer für Eigentumswohnungen um durchschnittlich 1,5%, für Einfamilienhäuser um 69,4%, bei Mehrfamilienhäusern um 59,2% und bei unbebauten Grundstücken um sagenhafte 303%.
Die durchschnittliche Mehrbelastung beträgt in Bayern 68,9%.
Laut Bay. Amt für Statistik betrugen die Einnahmen aus Grundsteuer im Jahr 2024 satte 819.257.000 EUR. Bei durchschnittlicher Steigerung um die genannten 68,9% bedeutet es Mehreinnahmen für die Gemeinden um satte 564,5 Mio. Euro. Nur in Bayern. Wer nun an Abzocke denkt, dem wollen wir diesen Gedanken nicht vernebeln.
Wie ist Ihre Erfahrung? Schreiben Sie uns an leser@desinformierer.de . Wir möchten einige, ernstgemeinte Erfahrungsberichte hier vorstellen. Alles natürlich völlig anonym.
(RS 04/25)